Evangelische Kirchengemeinde  Dreihausen Heskem-Mölln mit Roßberg und Wermertshausen

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Die Roßberger Kirche wurde 1753 von den Roßbergern (etwa 25 Haushalte) gebaut. Vor Baubeginn wurde ein Großteil des Waldes auf dem Roßberg gerodet – die Baukosten wurden vom Ertrag beglichen. Es war damals durchaus üblich, dass in kleineren Dörfern die Bewohner – mit oder ohne „Baumeister“ – selbst eine Kirche errichteten. In den meisten Dörfern wurde nach einigen Jahren das Gebäude der hiesigen Kirche überlassen oder verkauft; in Roßberg blieb dieser Schritt aus: So ist die Kirche immer noch Eigentum der politischen Gemeinschaft (jetzt: Gemeinde Ebsdorfergrund).


Die Roßberger gehörten dem Kirchspiel Ebsdorf an. Bis 1753 mussten sie für alle kirchlichen Feier- und Bettage nach Ebsdorf. Nach dem Bau der eigenen Kirche kam der Pfarrer für Beerdigungen und zwei Mal im Jahr für das Abendmahl nach Roßberg (er musste dazu gebeten und entlohnt werden). Bereits 1754 fand die erste Beerdigung in Roßberg statt. Ab 1756 konnte man einen Ebsdorfer Lehrer engagieren, der regelmäßig Lesegottesdienste in der Roßberger Kirche abhielt. Nach 1762 hatten die Roßberger auch ihre eigene Schule und der Dorflehrer übernahm diese Lesegottesdienste.


Aus 1813 wird berichtet, dass der Andrang in der Kirche manchmal so groß war, dass die besten Plätze verlost werden mussten.


Im Jahr 1857 wurden die Roßberger dem neuen Dreihäuser Kirchspiel angegliedert.

Als Hessen Teil von Preußen wurde, hatte 1873 eine staatlich verordnete Kirchenreform auch in Roßberg schwerwiegende Folgen: der Dreihäuser Pfarrer Schedtler war damit nicht einverstanden und predigte schliesslich mit einer Gruppe gleichgesinnter Pfarrer in einer abgespaltenen Kirche, die „Renitenten“. Die große Mehrheit der Bevölkerung schloss sich ihm an, aber die alte Landeskirche beharrte auf ihrem alleinigen Nutzungsrecht der Roßberger Kirche. Rund 80 % der Roßberger Einwohner durften ihre eigene Kirche nicht mehr legal benutzen! Und obwohl beim damaligen Reichsgericht in Leipzig, 1881 das Eigentum der politischen Gemeinde bestätigt wurde, dauerten die Auseinandersetzungen über die Benutzung der Kirche bis 1925 an, als beide Kirchen sich auf eine gemeinsame Nutzung einigten.


Das Gebäude musste häufig renoviert werden. Reparaturen an der Uhr sind belegt in 1826, 1835, 1877, bis die Uhr gegen 1900 endgültig entfernt wurde. Kleinere und größere Reparaturen gab es spätestens in 1865, 1890, 1908, 1950, 1970, 1984 und 1999-2000. Bis 1908 gab es dann immer Diskussionen: die Kirche(n) erwünschten sich bestimmte Ausbesserungen, die politische Gemeinde (als Eigentümerin) sollte bezahlen, aber ihr damaliger Vertreter – der Bürgermeister – war immer noch erzürnt, dass die Bevölkerung nicht unbegrenzt Zugang zum Gebäude hatte oder läuten konnte, wann sie wollte. Schliesslich einigte man sich aber. Die beendet geglaubte Auseinandersetzung flammte 1999 noch einmal auf, als die Gemeinde Ebsdorfergrund vor Beginn einer wirklich großen Renovierung auf eine breitere Benutzung bestand. Erneut wurde versucht zu klären, welche formellen Rechte und Pflichten für Eigentümer und Benutzer aus der Vergangenheit hervorgingen, bis eine informelle Einigung zustande kam.


Die Kirche von Roßberg ist eine (inzwischen seltene) Fachwerkkirche mit dreiseitigem Chorabschluss und einem sechseckigen Mitteldachreiter. Die Konstruktion mit auskragendem Giebelgeschoss zeigt eine traditionelle Bauweise mit durchgehenden Eckpfosten und dreiviertellangen Querstreben zur Windaussteifung. Das Emporengeschoss liegt innen vor der Wand auf eigener Tragkonstruktion. Prägender Bestandteil des Innenraumes ist der kräftige Hauptlängsunterzug mit der dazugehörigen, reich profilierten Mittelstütze.

Die Kirche ist fast 10 Meter lang, 6,5 Meter breit und (ohne Dachreiter) 8,75 Meter hoch. Sie hat zwei Glocken: eine große Glocke aus dem Jahr 1653, die 1952 von Heskem erworben wurde und eine kleinere Glocke aus 1937.

1990 wurde ein altes Harmonium durch eine neue Orgel ersetzt.

Weitere Kostbarkeiten: ein Abendmahlgeschirr, gestiftet im 18. Jahrhundert von Anna Elisabeth Klosin, und ein hölzerner Corpus, vermutlich aus der Zeit zwischen 1750 und 1800 (2001 restauriert).


Seit der umfangreichen Renovierung in den Jahren 1999-2001, die mit großartiger finanzieller und handwerklicher Unterstützung aus der Bevölkerung ausgeführt wurde, wird das Gebäude ab und zu auch für nicht-religiöse Zwecke (Vorträge u. Ä.) genutzt.

Die Gemeinde Ebsdorfergrund gestaltete außerdem das Kirchenumfeld zeitgemäß um, damit eine neue Dorfmitte entstehen konnte.

2012 wurde die Kirche wieder mit einer Kirchturmuhr und einer Stundenglocke versehen. Uhr und Glocke wurden durch Spenden finanziert.




Quelle: Werner Böckler









Die Roßberger Kirche

Bilder von links nach rechts: Neue Uhr mit Stundenglocke, Bild „Wallfahrer… von Carl Bantzer, Kreuz über der Kanzel.